Studium Generale - 27. Trimester

Block I: Orient und Okzident im Ringen um Europa
Dr. Dohrmann, Karin
03.05./17.05./07.06.2018
Der kulturelle Austausch, religiöse Auseinandersetzungen und territoriale Kriege von den Anfängen bis in die Barockzeit werden in drei Vorträgen thematisiert.
Mit der Gefahr durch den ISIS wird der Islam von immer mehr Europäern als Gefahr wahrgenommen. Dabei wird oft nicht bewusst, dass viele unserer naturwissenschaftlichen Errungenschaften – in der Medizin, der Astrologie, der Optik und Mathematik – ohne islamischen Wissenstransfer nicht entstanden wären. Die Vorstellung vom „teuflischen Moslem“ wurde in Schmähschriften, nach der Erfindung des Buchdrucks, in ganz Europa verbreitet und hat sich seit der Zeit der Kreuzfahrer in unserem kulturellen Gedächtnis festgesetzt. Dabei haben alle Religionen – Judentum, Christentum und Islam – ihren Ursprung im arabischen Raum und zeigen in ihren religiösen Schriften viele gemeinsame Vorstellungen von Gesetzen und Regeln im sozialen Miteinander. Arabische Gene stecken seit der Eroberung Spaniens im 7. Jahrhundert in der europäischen Bevölkerung und bei einem Blick in die Geschichte der letzten 1300 Jahre entdeckt man sehr viel mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen. Letztendlich beginnt unser Alltag mit einem Kaffee, der im 17. Jahrhundert durch die Osmanen nach Europa kam und ohne arabische Ziffern und die Zahl Null, die die Europäer von den Arabern übernommen haben, wäre unser digitales Zeitalter niemals entstanden.


Andalusien, das islamische Kulturzentrum in Europa und die christliche Gegenbewegung der Kreuzzüge
Mohamed begann 613 mit der Verkündung des Islams und schon 638 zog sein Nachfolger Omar in Jerusalem ein und beendete damit vorerst die Herrschaft des Christentums in der Heiligen Stadt.  Als 711 der muslimische Heerführer Tarik die Iberische Halbinsel einnahm, fühlten sich die christlichen Europäer sowohl vom Osten als auch von Westen durch den Islam bedroht. Bis die Araber jenseits der Pyrenäen auftauchten, schienen die Abendländer kaum Notiz von dem neuen Glauben genommen zu haben, der sich in weniger als einem Jahrhundert explosionsartig im Mittelmeerraum ausgebreitet hatte, während in Europa die Christianisierung noch längst nicht abgeschlossen war.
Die islamischen Herrscher hatten vom Hof in Cordoba zahllose Schriften zu Medizin, Astronomie und anderen Wissenschaften aus der griechischen und römischen Antike zusammentragen lassen. Toledo wurde zum Zentrum für Übersetzungen aus dem Arabischen und Tor zum kulturellen Austausch zwischen christlicher und islamischer Kultur.
Vom 11. bis zum 14. Jahrhundert, als die bewaffneten Begegnungen zwischen Christentum und Islam in den Kreuzzügen, der normannischen Eroberung Süditaliens und der voranschreitenden Reconquista kulminierten, die die Araber endgültig aus Europa vertrieben, blühte zugleich der interkulturelle Wissens- und Warenaustausch. Das Abendland entdeckte das reiche Erbe der Antike.

Die Geburt des Osmanischen Reiches und die islamische Rückeroberung Europas
1299 gründete Osman I. ein kleines türkisches Emirat an der Grenze des byzantinischen Herrschaftsgebiets, das sich innerhalb eines Jahrhunderts zu einem riesigen Reich entwickelte und damit die stärkste Macht in der islamischen Welt repräsentierte. Im 14. Jahrhundert begann ihre Expansion Richtung Europa und die ersten Gebiete auf den Balkan wurden erobert. 1453 gelang den Osmanen die Einnahme von Konstantinopel, wobei das byzantinische Reich ausgelöscht und die jahrhundertelange Präsenz christlicher Herrscher im vorderasiatischen Raum endgültig beendet wurde. Zwischen 1516 und 1517 eroberten die Osmanen Syrien und Ägypten. Mit der Einnahme von Bagdad 1518 wurde der osmanische Sultan als Kalif geistiges Oberhaupt aller Muslime. 1529 standen die Osmanen zum ersten Mal vor den Toren Wiens. Der frühe Winter und das anrückende Heer Kaiser Karl V. retteten die Europäer, die seit Jahren miteinander im 30-jährigen Krieg verfeindet waren, vor der osmanischen Eroberung. Als Sultan Süleymann II. der Prächtige 1566 starb, umfasste sein Reich den gesamten Balkan, die Hälfte Ungarns, die Schwarzmeerküste, Syrien, Irak, die Arabische Halbinsel, den Norden Afrikas bis nach Tunis. Christliche Gefangene wurde als Sklaven an den Höfen gehalten und als Elitesoldaten, den gefürchteten Janitscharen ausgebildet. Am 25. Mai 1571 verbündeten sich der Papst, der Doge von Venedig und der spanische König zu einer „heiligen Liga“ gegen die Osmanen – mit der Seeschlacht bei Lepanto wurde die islamische Expansion auf Europa gestoppt.

Die Türkenkriege der Barockzeit, der kulturelle Einfluss „alla turca“ und die Integration der Beutetürken unter dem Türkenbezwinger und bayerischen Kurfürsten Max Emanuel
Als Max Emanuel 1683 den Habsburger Kaiser in den Türkenkriegen zu Hilfe kam, erhielt er als Dank osmanische Kriegsgefangene. 1683 kamen die ersten drei Janitscharen nach München und 1686 weiter 300 muslimische Männer, Frauen und Kinder. Nicht nur Kurfürst Max Emanuel, sondern auch seine adeligen Mitstreiter brachten aus den Türken-Kriegen Zelte, Kulturgegenstände, Pferde, sowie junge Türken als Beute nach Bayern. Man verteilte die Türken zu verschiedenen Arbeiten in der Stadt München, so auf das Siechenhaus, die Tuchfabrik, ins Hofbauamt und den Marstall. Im ganzen Land wurden von 1688 bis 1720 osmanischen Kriegsgefangenen und deren Nachwuchs durch Taufen in die christliche Gemeinde integriert. Tauftürken wurden exotische Erscheinungen des Stadtbildes und konnten als Sänftenträger am Marienplatz gemietet werden. Durch die elenden Arbeitsbedingungen wurden aus den Tauftürken sehr schnell Grastürken. In den Schlössern kamen verschiedenste fernöstliche Einflüsse der damals bekannten Welt zum Tragen, Mode und Musik wurde „alla turca“, man begann Kaffee zu trinken und Max Emanuel ließ sich das erste beheizte türkisch Bad bauen. Ein Luxus den er auf seinen Feldzügen im osmanischen Reich kennen und schätzen gelernt hatte. Schloß Schleißheim wurde in monumentalen Bildern zum historischen Gedächtnis seiner erfolgreichen Türkenschlachten und dokumentiert diese wichtige Epoche, deren grausame Kriege sich im kulturellen Gedächtnis der Menschen eingeprägt haben und bis heute unser Verhältnis zur islamischen Kultur bestimmen.

Block II: Kunst der Renaissance (1400-1600)
Dr. Schmitt, Stefan
14.06./ 21.06./28.06.2018
Natur und antikes Ideal – die Frührenaissance (1400 – 1490)
Der Begriff „Renaissance“ bezieht sich auf die „Wiedergeburt“ der Antike. Diese Epochenbezeichnung ist die einzige der klassischen Kunstgeschichte, die aus einer Epoche heraus entstand und nicht im Nachhinein. Anfang des 15. Jahrhunderts widmeten sich die Humanisten und Künstler von Masaccio und Ghiberti bis hin zu Mantegna und Botticelli der Antike und dem Studium des Menschen und der tatsächlichen Erscheinung der Natur. Auch kehren die antiken Götter in die Kunst zurück und es entstehen ganz neue Themenkreise. Vom neuen Geist künden große Hauptwerke der klassischen Kunstgeschichte in den Gattungen Architektur, Malerei und Plastik.
 
 „Göttliche“ Künstler und Klassik – die Hochrenaissance (1490 – 1520)
Die Humanistenpäpste, Fürsten und das städtische Patriziat der Hochrenaissance erteilten bedeutende Aufträge. Es schien ab 1500 in der Kunst nichts mehr zu geben, dass diese Meister nicht zu bewältigen imstande schienen. Die Zeitgenossen staunten über ihre „Genies“ und deren Verwirklichung des klassischen Ideals in perfekter Harmonie. Das Schöpfertum des großen Künstlers wurde diskutiert und Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael oder Tizian aber auch Dürer und weitere große Meister schufen Hauptwerke, welche die Entwicklungen der Kunstgeschichte für Jahrhunderte prägen sollten.
 
Virtuosi und „maniera“ – der Manierismus (1520/27 – 1600)
Anfang des 16. Jahrhunderts schreitet die Akademisierung der Kunst voran. Die Normen und Formeln der Klassik erfahren in jener Zeit gewaltiger historischer und kultureller Umbrüche Neuinterpretationen. Die Künstler werden immer subjektivistischer und entwickeln ihre eigenen Schönheitsideale. Der Stil soll unverwechselbar sein und vom Virtuosentum zeugen. Doch alle müssen sich auch den Maßstäben Michelangelos stellen. Die Kunst findet so in eine neue Dimension und im Verlauf des 16. Jahrhunderts entstehen spektakuläre Kunstwerke in Malerei und Bildhauerei, von denen viele bereits den Weg in die Zukunft weisen. Zudem wird die italienische Renaissancekunst international und ist an allen Höfen Europas zu finden. Im intensiven Kunstdiskurs der Zeit werden grundlegende Probleme der Kunst diskutiert. Ab Mitte des Cinquecento entstehen dann auch die ersten Akademien.
 

Block III: Marx, Engels, Lenin – Vom „Kommunistischen Manifest“ 1848 zur Oktoberrevolution 1917
Schneider, Martin
12.07./19.07./26.07.2018
"Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus". Mit diesen Worten beginnt das 'Manifest der Kommunistischen Partei', das 1848 in London von Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlicht wurde. Die Flugschrift ist die erste zusammenfassende Darstellung der marxistischen Lehre und endet mit den berühmten Worten "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Sie gehört zu den wirkmächtigsten und umstrittensten politischen Philosophien der Neuzeit.
Die Veranstaltungsreihe stellt den sozial- und wirtschaftspolitischen Entstehungskontext sowie die Autoren des "Kommunistischen Manifestes" vor. Sie skizziert die Grundzüge des auf Marx und Engels zurückgehenden philosophischen Werkes und zeigt, wie es 1917 in Russland zur weltweit ersten sozialistischen Revolution kam.

In den einzelenn Veranstaltungen werden folgende Themen präsentiert:
•    Industrielle Revolution und Arbeiterelend im 19. Jahrhundert am Beispiel Deutschlands
•    „Ein Gespenst geht um in Europa“ – Marx, Engels und das „Kommunistische Manifest“
•    Lenin und die russische Oktoberrevolution 1917



 9 Vormittage, 03.05.2018 - 26.07.2018
Donnerstag, 09:30 - 11:00 Uhr
09:30 - 11:00 Uhr
9 Termin(e)
Martin Schneider M.A.
Dr. Stefan Schmitt
Dr. Karin Dohrmann
O20000
vhs Hans-Schuster-Haus, Innsbruckerstr 3, 83022 Rosenheim, Raum: Saal 1, 1. OG
Kurspreis:
90,00
(gültig ab 14 Teilnehmenden)
Kleingruppenpreis:
117,00
(gültig von 12 bis 13 Teilnehmenden)
Belegung:

Weitere Veranstaltungen von Martin Schneider M.A.